Das Bezeichnende an einem kirchlichen Kindergarten ist, das Selbstverständnis des christlichen Glaubens in die pädagogische Planung und das pädagogische Handeln mit einzubringen.
Für Kinder ist der Besuch des Kindergartens die erste große Trennung von der Familie. So ist es wichtig für uns, eine Atmosphäre von Wärme zu schaffen, in der die Kinder Geborgenheit erfahren. Deshalb geschieht das Vorleben der Nächstenliebe durch unser tägliches Miteinander und ist für uns eine Selbstverständlichkeit.
Die Nächstenliebe, die aus der bedingungslosen Liebe Gottes zu uns Menschen resultiert (weil er alles verzeiht durch den Tod Jesu) und die deshalb das Bezeichnende am christlichen Glauben ist, ist die Grundlage der neuen Gemeinschaft die das Kind in unserer Einrichtung erlebt. In erster Linie wollen wir die Kinder aber nicht zu einem bestimmten Glauben hinführen - mit dem Vorleben der Nächstenliebe möchten wir vor allem den christlichen Gedanken wecken und wach halten.
Hinter dem Glauben an Gott steht das Glück einer angstfreien Hoffnung über das Leben hinaus, auch wenn wir und vor allem die Kinder dieses Glücksgefühl (oder den Sinn des Lebens) nicht in allen Zusammenhängen erkennen oder (noch) nicht begreifen können.
In unserer Einrichtung werden durch
biblische Geschichten
Lieder und Gebete
die Vermittlung der religiösen Hintergründe von Festen und
Kindergottesdienste in der Christuskirche (mit Pfarrer Dohmes und Jugendleiter Axel Büker)
die Voraussetzungen gelegt, um die Kinder mit dem Glauben an Gott vertraut zu machen. Die Kinder lernen in diesem Zusammenhang auch die Kirche als Institution kennen.
Auch spielt es für uns eine wichtige Rolle, nach folgenden Grundsätzen zu arbeiten:
Ehrfurcht vor dem Empfinden religiöser Menschen
Mag fremder Glaube uns unbegreiflich sein, mögen fremde Rituale uns seltsam erschienen, niemals sind sie uns lächerlich, niemals verdienen sie Spott und Beschimpfung.
Ehrfurcht vor dem Leben
Nicht nur vor dem menschlichen, auch vor dem tierischen und dem pflanzlichen Leben. Diese Ehrfurcht beginnt mit dem Ja zur eigenen Existenz.
Ehrfurcht vor der Schöpfung
Vor dem, welches größer ist als der Mensch, welches sich seinem Zugriff, Eingriff und Verständnis entzieht.
Kinder haben ihre eigene Würde
Nach biblischer Auffassung sind Kinder eine Gabe Gottes. Sie sind ein Geschenk (Psalm 127,3).
Kinder sind nicht unser Eigentum. Sie haben ihre eigene Würde und ihren eigenen Wert. Sie sind uns anvertraut, damit wir für ihr Wohl und ihre Rechte sorgen. Kinder brauchen Erwachsene, die deren Interessen beim Verteilen von Geld auf politischer Ebene, beim Zuteilen von Spielräumen in der Stadt, im Straßenverkehr, usw. vertreten.
Von und mit Kindern lernen
Wenn Kinder getauft werden, wird im Gottesdienst folgende Geschichte aus dem Markusevangelium vorgelesen:
Und sie brachten die Kinder zu Jesus, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen:
"Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. (Markus 10 , 13 - 16)
In dieser Geschichte von der Kindersegnung zeigt Jesus, dass Erwachsene von Kindern lernen müssen. Es geht um die Umkehrung unserer Denkrichtung. Kinder lernen nicht nur von uns. Wir Erwachsene können auch durch die Kinder und mit den Kindern unser Leben neu entdecken. Die Empfindsamkeit der Kinder für Ungerechtigkeit und Leiden anderer bringt uns Erwachsene immer wieder in Bewegung, Schritte auf eine gute Zukunft zu tun:
Schritte zu mehr Gerechtigkeit, zu mehr Frieden, zu mehr Bewahrung der Schöpfung.
Die Fragen der Kinder nach Gott, nach Leid und Tod fordern uns heraus, uns selbst mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und nach Antworten zu suchen.